Die Plastik Challenge
Plastik gehört mittlerweile selbstverständlich zu unserem Alltag. Man findet es in Verpackungen, Kleidung, Kosmetik oder Haushaltsgegenständen - oft dort, wo man es gar nicht bemerkt. Gleichzeitig wird immer deutlicher, welche langfristigen Folgen unser hoher Plastikkonsum für Umwelt und Tiere hat.
Plastik ist ein überaus beliebtes und für die Industrie sehr praktisches Material. Es ist billig, robust, hält sehr lange und deshalb findet man es überall. Man kann dem kaum entkommen. Gemüse ist in Plastik verpackt, Milchtüten sind mit Plastik beschichtet und wenn man endlich eine Nudelverpackung aus Pappe gefunden hat, bemerkt man darin noch ein Guckloch aus Plastik. Zudem wird es immer häufiger verwendet, weil es eben ein sehr haltbares Material ist, das einige 100 Jahre in der Natur überlebt. Daher ist es auch nicht die optimale Wahl für kurzlebige Produkte. Allein in Österreich fallen jährlich etwa 400 000 Tonnen Plastikmüll an. 140 Millionen Tonnen Plastik befinden sich bereits in den Weltmeeren und jedes Jahr kommen acht bis zehn Millionen Tonnen dazu. Die Kunststoff verarbeitende Industrie meldet Jahr für Jahr Zuwächse und unser Bedarf an Plastik steigt. Damit wächst auch das Umweltproblem, das durch Kunststoff ausgelöst wird. Unsere Ozeane ertrinken förmlich darin. Fische, Vögel, Wale und andere Meeresbewohner leiden und sterben jedes Jahr unnötig an den von Menschen verursachten Folgen. Sie ersticken, verheddern sich heillos im Plastikmüll, fressen versehentlich die giftigen Teilchen und verhungern dann jämmerlich mit vollem Magen. Im Februar 2017 strandete an der Küste Norwegens ein Wal. In seinem Magen wurden 30 Plastiktüten gefunden. Der Wal hatte sie mit Futter verwechselt und war quasi mit vollem Magen qualvoll verhungert. Er strandete und musste von seinem Leiden erlöst werden. Meeresschildkröten müssen regelmäßig Strohhalme qualvoll aus der Nase entfernt werden. In den Mägen vieler toter Seevögel findet sich heutzutage Plastik. Meeresschildkröten sterben, weil sie Plastiktüten mit Quallen, ihrer Hauptnahrungsquelle verwechseln. In Norwegen gibt es eine unbewohnte Insel, die mit Plastik zugemüllt ist. Forscher haben dort, nachdem sie nur einen Meter in die Erde gegraben haben, Verpackungen mit Aufschriften aus Deutschland, den Niederlanden, Dänemark, Großbritannien und Norwegen gefunden. Plastik zersetzt sich nämlich nicht richtig, da es im Grunde nicht abbaubar ist, sondern über Jahrzehnte und Jahrhunderte hinweg lediglich in immer kleinere Teile zerfällt. Ein achtlos weggeworfener Plastikbecher beispielsweise kann durch den Wind ins Meer oder einen Fluss gelangen. Über die Zeit wird er durch Reibung und UV Strahlung zu winzigen Partikeln zerkleinert, die dann kaum mehr von Sand zu unterscheiden sind. Das Ergebnis: Mikroplastikmüll statt Sand. Studien zufolge wird im Jahr 2050 in unseren Weltmeeren mehr Plastik schwimmen als Fische, denn kein Stück Plastik, was wir wegwerfen, wird jemals verschwinden.
Höchste Zeit also über die Folgen von Plastikmüll- und Konsum nachzudenken. Konkret geht es darum, Wegwerfplastik zu vermeiden, bei Neuanschaffungen Kunststoffe umgehen und unvermeidbares Plastik lange nutzen. Es geht nicht darum sofort alles aus Plastik, das man besitzt, möglichst schnell und unbedacht wegzuwerfen und durch etwas Neues zu ersetzten, ohne das ein Bedarf entsteht. Das fände ich unsinnig und verschwenderisch. Primär geht es darum, weniger Plastikmüll zu produzieren. Am wichtigsten ist es Gegenstände und Geräte aus Plastik, die man schon besitzt lange zu benutzen. Das bedeutet eben auch, nicht jedes Jahr das neueste Smartphone zu kaufen und alles was im Haushalt vorhanden ist, so lange zu nutzen, bis es ersetzt werden muss. Das gilt beispielsweise für Brot- und Gefrierboxen, Putzeimer und Wäschekörbe. Keine Frage sind Kunststoffe eine Errungenschaft der Moderne und kaum mehr wegzudenken, aber der inflationäre, gedankenlose Umgang damit ist problematisch. Menschen nehmen sich oft keine Zeit über die Folgen ihrer Tuns nachzudenken. Wir leben in einer schnelllebigen Zeit. Produkte aus Plastik sind häufig billig und/oder schnell und bequem verfügbar- und schon sind wir mittendrin und mitverantwortlich für Unmengen an Plastikmüll, die sich eigentlich ganz leicht vermeiden ließen, wenn man nach dem Prinzip ,,einfach verweigern, statt gedankenlos kaufen" handelt.
Hier sind ein paar Tipps um den Alltag etwas plastikfreier zu gestalten:
Kauft keine Einwegflaschen
Vor allem beim Wasser greifen wir häufig zu Einweg. 89 Millarden Liter unseres Hauptnahrungsmittels werden weltweit jedes Jahr abgefüllt und zwar in Plastikflaschen, die nur einmal verwendet werden. Leitungswasser ist nicht nur die umweltfreundliche, sondern auch die günstigere Alternative und schmeckt genauso gut.
Kauft keinen Coffee to go
320.000 Coffee-to-go-Becher gehen stündlich über deutsche Ladentheken. Für ihre Herstellung werden jährlich 64.000 Tonnen Holz und 11.000 Tonnen Kunststoff benötigt. Nach dem Konsum landen die Becher im Mülleimer- oder schlimmer, auf der Straße, in Flüssen oder Parks. Kauft euch einen Mehrweg-Coffee-to-go-Becher, den ihr schon gefüllt mitnehmen könnt oder einpackt, wenn ihr euch unterwegs einen Kaffee kaufen wollt. Aber trinkt bitte keinen Kaffee aus einem Wegwerfbecher. Die sehr günstige Alternative wäre Kaffee-Entzug😉
Überdenkt eure Pflegeprodukte
Verwendet keine Abschminktücher, die nicht nur schlecht für die Umwelt, sondern auch für die Haut sind, da sie kleine feine Zuckerpartikel enthalten, die die Haut unnötig reizen können. Genausowenig braucht man Wattepads, die man nach einmaliger Anwendung entsorgt. Ich verwende wiederverwendbare Abschminkpads, die sich waschen und mehrfach verwenden lassen. Tonic muss man auch nicht mit einem Wattepad auftragen. Man kann sich eine kleine Menge in die sauberen Hände geben und dann im Gesicht verteilen und einklopfen. Ich bin vor mehr als zwei Jahren auf die umweltfreundliche und tierversuchsfreie Marke Ringana gestoßen, die mit einem nachhaltigen und in der Kosmetikwelt einzigartigem (soweit mir bekannt) Reuse Konzept überzeugt. Wer 10 leere Glasflakons einschickt, bekommt als Belohnung, dafür das er das Recycling System unterstützt, ein Kosmetikprodukt seiner Wahl gratis. Die eingeschickten Flaschen werden gereinigt, wiederbefüllt und gelangen erneut in den Verkauf. So werden nicht nur die Umwelt, sondern auch die Ressourcen geschont.
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