Alibi von Agatha Christie - Spannung aus nächster Nähe
Es gibt Autoren, deren Werk Generationen überdauert - und deren Figuren uns vertrauter sind als manche reale Bekanntschaft. Eine von ihnen ist Agatha Christie. Meine Begegnung mit ihren Romanen ist Teil einer stillen literarischen Linie, die bei meiner Uroma begann - und bis heute nachwirkt. Alibi ist eines dieser Bücher.
Agatha Christie gehört zu den meistgelesenen Schriftstellerinnen der Welt und gilt als die meistverkaufte Romanautorin. Als ,,Queen of Crime" schuf sie den modernen britischen Kriminalroman. Sie schrieb 66 Kriminalromane, über 150 Kurzgeschichten, zahlreiche Theaterstücke, inklusive des wohl bekanntesten Stückes Die Mausefalle, das seit der Uraufführung im Jahre 1952 in London ununterbrochen (bis auf eine Unterbrechung während der Covid Pandemie) aufgeführt wird. Darüber hinaus schrieb sie unter dem Pseudonym Mary Westmacott sechs Romanzen. Doch Agatha Christie war auch eine fähige Archäologin, Apothekenhelferin und arbeitete als Krankenschwester während des ersten Weltkriegs. Zu der Zeit sammelte sie ihre Kenntnisse über verschiedene Gifte, wie beispielsweise Arsen und Strychnin. Aus diesem Wissen entstand ihre literarische Vorliebe für Giftmorde - die Mordmethode, die sie wahrscheinlich am häufigsten verwendete und sehr realistisch darzustellen wusste. Ihre Kenntnisse waren so umfassend und detailliert, dass es sogar in Fachpublikationen gelobt wurde. Die Arbeit in der Apotheke und ein Todesfall unter rätselhaften Umständen im Krankenhaus inspirierten sie zu ihrem ersten Kriminalroman Das fehlende Glied in der Kette. Dieser Roman war auch die Geburtsstunde des wohl bekanntesten fiktiven Detektivs der Welt nach Sherlock Holmes, nämlich Hercule Poirot, dem kleinen, pedantischen Belgier mit dem eleganten Schnurrbart und den berühmten kleinen grauen Zellen. Agatha Christie's Romane sind eine Mischung aus skurrilem Humor, psychologischem Feinsinn und Ironie. Sehr häufig folgen ihre Bücher einem sehr charakteristischen Aufbau, nämlich dem für das Genre typischen ,,Whodoneit" , der sich über Jahrzehnte bewährt hat. Schauplatz sind häufig abgelegene Orte, Landhäuser oder ,,geschlossene Räume" wie Züge (Mord im Orientexpress), Dampfer (Tod auf dem Nil ) oder eine komplette Insel (Und dann gab's keines mehr). Die Charaktere sind ein bunt gemischter Kreis von Figuren, die alle ein Motiv, aber auch zeitgleich ein Alibi haben. Das Verbrechen wird dramatisch eingeführt, der Ermittler (meist Hercule Poirot oder Miss Marple), sammelt durch Gespräche Fakten, findet Widersprüche, versteckte Hinweise und bringt überraschende Details ans Licht. Christie streut auch sehr geschickt falsche Fährten ein, sogenannte ,,red herrings", um den Leser in die Irre zu führen. Hercule Poirot oder Miss Marple machen sich Gedanken über Motive, Gelegenheit und über die Persönlichkeit der Täter. Bei der Enthüllung werden meist alle Beteiligten versammelt (z.b. im Salon des Landhauses) und der Täter wird entlarvt. Dabei werden Motive, Verwicklungen und psychologische Aspekte ausführlich erklärt - warum der Täter so gehandelt hat und wie die Alibis konstruiert waren. Christie legt oft die Hinweise offen, sodass der Leser rückblickend nachvollziehen kann, wie sie zu dem Schluss gekommen ist. Hier steht Menschenkenntnis und Intellekt im Vordergrund statt Action und Schockeffekte und die Lösung erscheint logisch, aber dennoch überraschend.
Agatha Christie's sechster Kriminalroman Alibi weicht von diesem typischen Schema ab und hat mich besonders fasziniert.


Kommentare
Kommentar veröffentlichen